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Reto Zeller und die Troubadours

Zwei Stiere, der «Ustermer Ochs» und ein schwarzes Schaf

Politisch korrekt, aber meist unkorrekt, frech, witzig, ja manchmal sogar hinterhältig- auf der Bühne der Aula Byfang tobte am 15. November, dem Welttag der Philosophie, ein Humorsturm. Ausgelöst durch sieben renommierte, preisgekrönte Liedermacher und Kabarettisten.

Es ging um Medizin, Politik, Liebe und Alltägliches. Der Name des Programms hiess: «Reto Zeller und seine Troubadours in Bützberg». Hervorragend organisiert vom ABA, dem Arbeiter-Bildungs-Ausschuss Thunstetten-Bützberg. Auf der Bühne sind die Arbeitsgeräte aufgereiht: neben unzählige Gitarren, fallen die Geige und das rote Akkordeon auf. Zugegeben, wenig deutet zu Beginn auf einen Anlass hin, bei dem sich das Publikum während über 2 Stunden vor Lachen schüttelt und viele Freudentränen abwischt. Nicht ganz unschuldig ist der Liedermacher und Geschichtenjäger Reto Zeller, der durch den Abend moderierte und Leckerbissen aus seinem Programm servierte.

 

Die Welt evakuieren

Chaos im Büro, der Bestellschein für Panzerfäuste nach Syrien landet im Abfall. Wieviel Gutes - der Weltfriede - wegen Unachtsamkeit passieren kann, erzählt Reto Zeller singend und in Begleitung seiner Gitarre. Den Text legte er auf die Komposition von Mani Matters «I han es Zündhölzli azündt». Ein erfrischender Start, der sehr zum Nachdenken anregt.

Mischa Wyss, ein Berner Chansonier mit Migrationshintergrund (Baselland, Olten), knüpfte auf zwei Seiten an Zellers Vorgabe an. Einerseits mit dem «die Welt retten wollen» und andererseits mit seinen Liedern im Stil von Mani Matter. Wie wäre es, wenn man die ganze Weltbevölkerung mit einer riesigen Arche evakuieren würde? Sein Fazit: Die Fahrt wird abgesagt. Für das Vorhaben gibt es nicht genug Bananenschachteln!

 Was folgt, ist ein wirklich krasser Übergang. Uta Köbernick, die Gwinnerin des Salzburger Stiers 2016 irritiert das Publikum von der ersten Sekunde weg. Die «scheineingebürgerte» Deutsche, wie sie von Reto Zeller angekündigt wurde, geniesst die Schweizer Mentalität. Sie ist viel zu selbstbewusst, spricht klinisch-reines Hochdeutsch, nervt mit schrägem Gesang und schockiert das Publikum mit der Ansage, ein Mundart-Lied anzustimmen. Ein Raunen, und ein paar «ouh nei» gehen durch den Saal. Dann zaubert sie das Überraschungsmoment des Abends hin: in astreiner Mundart, singt sie eine Ballade, die das Herz berührt. Das Publikum johlt vor Freude!

Res Wepfer ist auch Preisträger. «Ich habe den <Ustermer Ochs> gewonnen!», unterstrich er zu Beginn. Prestige ist wichtig, auch im Kleinen. Sein Song über das samstägliche Rasenmähen, lässt das Publikum Klatschen und Toben. Was der Zürcher, der sein Geld auch als Psychologe verdient nicht erwähnt: neben seinem Ochs steht ein Salzburger Stier. Den hat er sich mit dem «Pfannestil Chammer Sexdeet» verdient.

 

Verzweiflung und Veränderung

Vor Res Wepfer sorgte ein Österreicher mit Schwarzem Schaf für Verzweiflung. Das Schwarze Schaf ist ein Niederrheinischer Kabarettpreis, der Österreicher wohnt seit langem in Deutschland und heisst mit Namen Stefan Waghubinger. Ein Phänomen! Bildhaft erzählt er hochdramatische Geschichten, deren Sachlage schlimmer nicht sein könnte und das Publikum kann sich vor Lachen kaum erholen.

Im Septett fehlen noch Schönholzer & Rüdisüli. Die beiden Künstler senken den Puls, aber es bleibt frech, witzig und unterhaltsam. Sie beschreiben in «Wider dehei» aufweckend und melancholisch, wie sich die Dörfer verändern - der Bäcker ist jetzt eine Boutique, es gibt Yoga im Gemeindesaal und es hat Asylanten.

Das Finale richteten die Zürcher aus. Reto Zeller, Res Wepfer sowie Schönholzer & Rüdisüli setzten einen wunderbaren Abschluss. Ein herrlich-fröhlicher Abend mit Fortsetzung. Stammgäste haben den nächsten ABA-Abend bereits dick in die Agenda eingetragen. Am Donnerstag, 28. Februar 2019, wird im Byfang der Slam Poet Jan Rutishauser auf der Bühne stehen. Ein ebenso vergnüglicher Abend ist schon jetzt garantiert!

 

Text Josy Bucher