Christoph Simon zu Gast in Bützberg mit «Salzburger Stier 2018» im Gepäck

«Jede Firewall hinter sich lassen»

 

Einfach loslaufen und die Welt entdecken. Auf einem Landi-Dach das Funknetz fürs Mobilephone suchen, die Cordon-bleu-Varianten der Schweiz entdecken. Diese Ratschläge und weitere hilfreiche Tipps in Liebesdingen gab der Kabarettist, Slam-Poet und Autor Christoph Simon dem Publikum mit. Eingeladen wurde er vom ABA, dem Arbeiter-Bildungs-Ausschuss Thunstetten-Bützberg.

Vorsicht ist geboten, wenn Männer in Anzügen und stilvollen Lederschuhen auf der Bühne einer Mehrzweckhalle stehen und im Monolog dem Publikum mehr Lebensqualität andrehen wollen! Es ist keine Liebe auf den ersten Blick, wie Christoph Simon überangezogen die Bühne betritt. Er irritiert mit seiner Kleidung. Jemand, der mit Humor sein Geld verdient, soll lustig oder zumindest salopp angezogen sein. Doch schon nach den ersten Sätzen mag man den Emmentaler - er ist in Langnau aufgewachsen. Scheu, mit angenehmer Stimme und mit trockenem Humor erzählt er seine Geschichte. Von einem Leben als Strassenmusiker, der auf der Parkbank übernachtet und erzählt, wie viel Schönes es zu entdecken gibt. Die Pointen setzt er während er die Krawatte oder den glänzenden Ledergurt richtet. Damit punktete er nicht nur in Bützberg, sondern auch in Salzburg, wo er anfangs Mai einen der bedeutendsten Preise für Kabarettisten, den «Salzburger Stier» entgegennehmen durfte. Ein weiterer Höhepunkt in der Karriere des zweifachen Schweizermeisters im Poetry Slam und Romanautors.

 

Wie ist es möglich, dass man ihn - trotz dieser Kleiderwahl - von Beginn weg ins Herz schliesst? Weil er Lebensträume erwachen lässt. Wir sollen einfach alles loslassen und laufen. Die Arbeit vergessen und «jede Firewall hinter sich lassen». Er schaut in den Spiegel unserer Gesellschaft und bemerkt, was schiefläuft. Klar, das gehört sich so für Kabarettisten. Doch bei Simon ist nicht die Politik an allem schuld. Das Ganze rundet er mit dieser wunderschönen, verzwickten Liebesgeschichte ab, die nicht im Internet begonnen hat. Nein, noch unromantischer mit einem brandheissen, aufs Shirt verschütteten «Latte Macchiato». Sein schwarzer Humor zieht sich wie ein Faden durchs Programm, aber nicht bis zum letzten Satz. Er gönnt seinen Gästen im Saal ein überraschendes und grossartiges Happy-End.

 

Das Fazit dieses wunderbaren Abends ist, dass Männer in Anzügen nicht zwingend böse sein müssen, aber humorvoll sein können. Bevor wir nach Peking wandern, sollten wir unsere Vielfalt an Cordon-Bleus entdecken, denn «im Bündnerland gibt es sie mit Bergkäse, im Wallis mit Raclette und in Fribourg mit Gruyère». Diesem Rat kann man sich nur anschliessen.

 

Am Donnerstag, 15. November 2018, sollte man auf keinen Fall einen Restaurantbesuch einplanen. Dann präsentiert der ABA auf der Bühne der Mehrzweckhalle einen weiteren Geheimtipp: «Troubadours in Bützberg», moderiert von Reto Zeller.

 

Text Josy Bucher