Herzlich willkommen auf unserer Homepage!

Schön, dass Sie mit uns die Freude über die grosse Kleinkunst teilen wollen. Für uns bedeutet Kleinkunst Bewegung, Neugier, Chance, Auseinandersetzung, Begegnung, Austausch, Kulturaustausch. Und immer wieder Freude und Begeisterung über die grosse Vielfalt, über Kreativität und Professionalismus, Würde, Achtung, Spielwitz und Spielfreude, die es zu entdecken gilt in dieser etwas schrägen und doch so «ordentlichen» Welt der Kleinkunst.

Die wunderbaren Begegnungen mit all den Menschen in diesem Kulturbereich sind Teil und auch Lohn unserer Arbeit, bereichern und bewegen uns. Diese Freude, diese «Bereicherungen» wollen wir mit Ihnen allen teilen. Besuchen Sie unsere Anlässe.

Gerne nehmen wir Sie mit auf die Reisen.
Viel Vergnügen!

ABA Crew

Rückblick auf den Anlass vom 16.06.2022 mit Michael Elsener

Public Relations Freitag, 24.06.2022,               Unter-Emmentaler

Clevere Comedy vom studierten Politologen

 

Der smarte Lockenkopf umwickelt heikle Themen humorvoll und verspielt. Sie wirken belustigend, laden aber auch zum Nach-Denken ein. Michael Elsener gilt als der mutigste und politischste Stand-Up-Comedian und Satiriker der Schweiz und ist aus der Kabarettszene nicht mehr wegzudenken. Seine energiegeladene Show auf Einladung des Arbeiter-Bildungs-Ausschusses Thunstetten-Bützberg wurde zum Comedy-Ereignis.

Von Brigitte Meier/PR

 

Unschlagbar sind Michael Elseners Parodien bekannter Personen aus Show, Politik und Sport.

@ Bild: Patrick Kummer

 

Aktuell tourt der Comedian mit den vielen Stimmen mit seiner neuen Show «Fake me Happy». Michael Elsener parodiert, kommentiert und wird immer besser. Mit seiner charismatischen Präsenz rockt er auch die Bühne in Bützberg. Praktisch ohne Requisiten gelingt es dem Zuger, Illusionen zu erzeugen. Einziger Blickfang ist ein grosses, weisses «E» als Pult. Munter kombiniert der 36-Jährige Stand Ups, Parodien und Songs zum Thema Digitalisierung und «Mehr Schein als Sein».

Trotz hochsommerlicher Hitze strömte das Publikum zahlreich in die Aula des Bützberger Schulhauses Byfang. Begrüsst von Christine Röthlisberger, Präsidentin des organisierenden Arbeiter-Bildungs-Ausschusses Thunstetten-Bützberg (ABA). Bereits zumdritten Mal ist es gelungen, Michael Elsener zu engagieren, den sie augenzwinkernd als Heimweh-Bützberger bezeichnet. Mit dem berühmten Zitat des französischen Philosophen René Descartes «Ich denke, also bin ich!» bat die Präsidentin den Zuger Comedian auf die Bühne. Michael Elsener nimmt das Publikum vom ersten Moment an für sich ein. Angefangen beim «Soundcheck », als das Mikrofon noch auf Berndeutsch eingestellt ist. «Bitte den Zuger Dialekt installieren», fordert der gebürtige Hünenberger. Angereist mit dem Zug aus der Romandie könnte er den Abend problemlos mit Bahngeschichten gestalten: «Die SBB sind grossartig unterhaltend», sagts und imitiert die mitteilungsfreudigen Zugbegleiter und deren ausführliche Durchsagen zu Unterbrüchen oder Verspätungen. Er beherrscht das Imitieren von Dialekten und Stimmen. Live kommt dies perfekt zur Geltung. Sei es in Alltagssituationen, mit denen sich die Zuhörenden identifizieren können, etwa dem zufälligen Zusammentreffen in einem Supermarkt mit der ehemaligen Französischlehrerin, die ihren Ex-Schüler auf Französisch anspricht und diesen in eine peinliche Situation bringt. Herrlich und berührend gleichzeitig die fiktive Figur des schüchternen Röbi, mit Brille und Béret, der als Singer/Songwriter aufblüht und die Besucher zum Mitklatschen animiert.

 

Intensiver Publikumskontakt

Seine Nummern sind individuell, nicht einfach durchgetaktet. Er holt sich wiederholt Inputs aus dem Publikum und improvisiert mit dessen Antworten. Das tut er jungenhaft unbeschwert und frech charmant. In der ersten Reihe sitzt Hans Peter Vetsch, Gemeindepräsident von Thunstetten-Bützberg. Im gesamten Verlauf des Abends wird immer wieder darüber diskutiert, dass man seinen Vornamen auch mit Bindestrich schreiben könnte oder sollte.

Eingeladen von den Organisatoren wurde die 9. Klasse von Lehrer Tobias Balzli, um die Jugendlichen für die Kleinkunst zu interessieren. Zwischen den Schülerinnen und Schülern entdeckt Elsener zwei leere Plätze und wird informiert, dass ein Junge noch beim Coiffeur sei. Tatsächlich erscheint nach der Pause ein Neuntklässler mit trendiger Frisur, kreiert von einem Kollegen, der dafür schon drei Stunden benötige. Von Brigitte, einer aufgestellten Bützberger Hausfrau, vernimmt Michael Elsener, dass sie ein Flair für Rosen besitzt. Um den Garten würden sich jeweils ihre erwachsenen Töchter kümmern, wenn sie in die Ferien reise. «Für etwas hat man ja Kinder», findet Elsener lapidar. Und da sitzt Pascal, der ebenfalls für Nirvana und die Backstreet Boys geschwärmt hat, ein 90er-Jahre-Kind wie Michael Elsener. Als Polymechaniker habe er ein Podest konstruiert, das zu Elseners Erstaunen in einem Kieswerk steht. Dann fragt er Pascals Freundin, was sie beruflich mache. Oha: Corinne arbeitet bei den SBB in der Einkaufsabteilung, wo sie Weichenteile bestellt. Sofort baut Michael Elsener diese Teile in sein Programm ein; egal ob die österreichischen oder die günstigeren aus Frankreich.

 

Hellwach – schlagfertig – leichtfüssig

Ein Höhepunkt ist die gendergerechte Ansprache mit dem akustischen Gendersternchen. Michael Elsener spielt sich durch die Schweizer Dialekte; bei jedem Wechsel der Mundart ändert er die Gesten und die Körperhaltung. Er wechselt in atemberaubendem Tempo zwischen seinen Figuren. Unschlagbar sind seine Parodien bekannter Personen aus Show, Politik und Sport. Im Dampfbad «Promis im Hammam» begegnen sich zwei Rogers, Federer und Köppel, Sven Epiney, Alain Berset und Viola Amherd. Als verzweifelter Redecoach für Bundespräsident Ignazio Cassis steht Moritz Leuenberger auf dem Podest, exakt die Konstruktion von Zuschauer Pascal.

 

In seinem Programm geht es nicht allein um Unterhaltung. Nach der Show erklärte der 36-Jährige gegenüber dieser Zeitung, dass er schwierige, schmerzhafte oder traurige Momente oft in positive Gedanken umwandelt. «Heute ist es immer schwieriger, zu unterscheiden, was Fake ist und was wahr ist», erklärt er. Die Grenzen sind fliessend. Oft ist wahr, was eine Mehrheit als wahr betrachtet. Man entflieht in Instagram-Scheinwelten, versinkt in Netflix-Serien und präsentiert der Welt auf Social Media das Fake-Ich.

 

Unter den Besuchern weilte auch Vizebundeskanzler Viktor Rossi und hat sich blendend unterhalten. Besonders beeindruckt von Elseners Sprachimitationen verrät der Vizebundeskanzler, dass er seit vier Jahren neben Bundesrätin Viola Amherd sitze, aber ihren Walliser Dialekt bis heute nicht ganz verstehe.

 

Zusammen mit Christine Röthlisberger überreicht er Michael Elsener das neue Buch «Oberaargau» von Fotograf Willy Jost; damit er nicht allzu oft von «Heimweh» übermannt werde.

Mit «Was wäre, wenn das Leben rückwärts verlaufen würde», schenkt Michael Elsener dem Publikum eine berührende Zugabe, tiefgründig und intelligent, zum Innehalten, Staunen und Denken: «Ich denke, also bin ich».

@ Bilder: Patrick Kummer